Schlagwort: Norderstedt

Brevet zum Priwall / Norderstedt (03.09.2011)

Statistiker behaupten, der Sommer 2011 war zu niederschlagsreich. Noch ist er nicht zu Ende und für dieses Wochenende sind im Norden bis fast dreißig Grad angesagt, kaum zu glauben nach dem gestrigen Abhärten in der Ostsee (16°C Wasser-, 16°C Lufttemperatur). Zufällig findet in Norderstedt ein 200-km-Brevet vom Audaxclub S-H zur Halbinsel Priwall und zurück statt …

Start & Ziel ist wie beim Bungsberg-Brevet im Firmengebäude von ETHICON. Ich bin etwas spät dran, schaffe aber noch alles bis zum ebenfalls etwas verspäteten Start. Circa vierzig TeilnehmerInnen sind dabei und unterteilen sich in die Gruppe derer, die vor zwei Wochen das Langstreckenrennen Paris – Brest – Paris absolviert haben und den Rest.

Der Rest besteht anfangs aus zehn Fahrern inklusive eines P-B-P Finishers. Bereits am Ortsausgang von Norderstedt ist diese meine Gruppe auf acht Fahrer zusammengeschrumpft. Ruhig wie zum Saisonbeginn rollen wir nach Nordosten Richtung Travemünde. Ein Blick auf die Startunterlagen wäre hilfreich gewesen und so krieg ich nach fünfzig Kilometer mit, daß die erste Kontrollstelle erst bei KM 102 in MVP ist. Das wird ein langes Bein! Bei KM 65 gibt es eine Pinkelpause und den ersten Riegel aus dem CamelBak.

Eine verbale Konfrontation ereignet nach nach über neunzig Kilometer in Travemünde. Wir warten an einer Einmündung darauf, nach links abbiegen zu können. Ein Mercedes- SLK-Fahrer möchte von der Vorfahrtsstraße ebenfalls nach links abbiegen, braucht dafür aber Platz wie ein Bus. Vor der Gruppe bleibt er stehen, läßt das Fenster runter. Ich denke nur “Oh, nein, mach das Fenster hoch und fahr weiter – du kannst nur verlieren … !” Er moniert, “Sie könnten auch anders stehen!” in sehr gewählter Ausdrucksweise. Von hinten tönt es “Du kannst Dir auch ein anderes Auto kaufen!” Die Situation eskaliert nicht weiter, er fährt irritiert von dannen.

An der Priwallfähre über die Trave müssen wir halten, um ein Ticket zu ziehen. Es dauert etwas und ich zieh mir derweil den nächsten Riegel rein. Auf der Ostseite ist es nicht mehr weit bis zur Kontrollstelle, einer Tanke in Dassow. Wasser, Cola und zwei Snickers werden gekauft, letztere, weil ich nur drei Riegel und ein Gel mit dabei habe.

Weiter geht es nach Süden Richtung Mölln, meist durch breite Alleenstraßen mit etwas zu viel motorisiertem Verkehr. In Mecklenburg-Vorpommern ist bald Landtagswahl. Dominant sind die Wahlwerbeplakate der Neonazis mit hetzerischen Parolen und dumpfen Fressen an so gut wie jedem Laternenpfahl.

In Mölln – Kontrolle 2 / Shell-Tanke / KM 148 – wird Wasser und Cola nachgekauft. Feste Nahrung ist noch genug vorhanden. Die Bedienung zieht sich etwas und es wäre Zeit für einen Kaffee gewesen …

Fünfzehn Kilometer weiter noch ein Pinkel-Stopp, an der Tanke gab es kein WC. Weiter gehts, die Sonne meint es mehr als gut. Zusätzlich gibt es jetzt Wind von vorne, ca. drei Windstärken. Trotzdem ist alles gut, die Gruppe harmoniert sehr.

Im Hamburger Speckgürtel, die letzten zehn Kilometer bis zum Ziel, wird der Verkehr wieder dick, Konfrontationen á la Travemünde bleiben aber zum Glück aus.

Um 15:25 Uhr erreichen wir die Firma Ethicon. Der Eingangsstempel wird vom Pförtner im Tourpaß vermerkt. Nach dem Duschen gibts was warmes zu Essen, Naschwerk, alkoholfreies Weißbier und Kaffee.

Statistik:

Wetter: Sonne, 12 – 29°C

1 Powerbar Natural Energy Riegel
2 Powerbar Ride Riegel
2 Snickers
2 Liter Wasser
2 Liter Xenofit Blutorange
0,7 Liter Cola

http://www.audaxclub-sh.de

Das Ergebnis – sortiert nach Bruttozeit und Vornamen – gibt es hier. [Datenquelle]

Brevet zum Bungsberg / Norderstedt (22.03.2009)

Die 80% Regenanteil auf dem 200er Brevet zum Bungsberg 2008 noch gut in Erinnerung fand ich die Wetterlage dieses Jahr perfekt, es waren zwar nur frische -2°C, aber dafür eine Regenwahrscheinlichkeit von null. Deshalb blieb die Regenjacke gleich im Auto. Nach der Begrüßungungsrede von Heino H. setzte sich der Troß aus über vierzig Teilnehmerinnen und Teilnehmern um acht Uhr in Bewegung.

Aus Norderstedt heraus ging es im sportlichen Tempo von um und bei 40 km/h in Einerreihe! In der Hoffnung, die Situation wird sich beruhigen bin ich das Tempo erstmal mitgefahren, vorne wurde die Gruppe immer dünner und nach zehn Kilometern war hinten niemand mehr. Vorne waren noch sieben oder acht Fahrer. Nach zwanzig Kilometern beschloß ich mit einem Mitfahrer, eine eigene Gruppe aufzumachen, wir ließen noch zwei andere aufschließen und fuhren gemütlich 32 bis 34 km/h weiter. Da leider niemand dabei war, der die Strecke richtig kannte sind wir an einem Abzweig vor Struvenhütten geradeaus gefahren, haben den Fehler aber bereits nach 200 Metern bemerkt. Nach dem Umkehren und wieder auf der richtigen Strecke vor ein Einzelfahrer auf uns auf, der das Roadbook am Lenker hatte und ab jetzt das Tempo „bestimmte“ in dem er den Weg wies.

09:37 kamen wir an der ersten Kontrolle in Wahlstedt (52 km) an. Beim Abfahren erreichte die dritte Gruppe gerade die Aral-Tankstelle. Ich überlegt kurz, auf sie zu warten, fuhr dann aber doch mit den andern vier weiter.

An der zweiten Kontrollstelle, die Star-Tankstelle in Schönwalde am Bungsberg (109km), die wir 11:28 erreichten standen vier Leute aus der ersten Gruppe. Eigentlich habe ich von denen schon einige an der ersten Kontrolle erwartet. Sie fuhren ohne uns los doch nach zehn Kilometern hatten wir drei von ihnen wieder eingeholt und fuhren so zu acht bis nach Norderstedt zurück. Der Rückweg erwies sich als härter als gedacht, da der Wind der Stärke fünf bis sechs nun meistens von vorn oder ungünstig von der Seite kam. Die Gruppendisziplin erinnerte auch eher an eine RTF als an einen Marathon, Windschattenfahren wurde nur schlecht praktiziert und die Abwechslung bei der Führungsarbeit war auch nicht gerade gleich verteilt.

Kontrollpunkt 3 – das Gasthaus „Forsthaus Bolande“ in Reinfeld in Holstein (171 km) – erreichten wir um 13:40. Hier gab es eine Schnell-Cola in der Theke und die Auskunft, daß die Spitzengruppe aus drei Fahrern bestand und kurz vor uns ein Einzelfahrer hier „Rast machte“. Weiter ging es auf die letzten fünfzig Kilometer. Auf den letzten zehn Kilometern hängte sich ein Freizeitfahrer mit Rennrad aber ohne Helm, nur mit Mütze „geschützt“ in unsere Gruppe. Er war etwas überrascht von unserem Brevet und hielt uns erst für RTF-Fahrer.

Im Gegensatz zum Jahr 2008 erreichten wir um 15:35 das Betriebsgelände der Firma Ethicon im Gewerbepark Glashütte in Norderstedt sauber und trocken – dafür aber etwas vom Winde verweht. Unsere Gruppe belegte die Plätze fünf bis zwölf.

Nach dem Duschen setzte man sich noch zum Abklang der Tour in das Sportcasino der Firma. Hier gab es leckeres Kartoffelgratin mit Lachs oder wahlweise Hühnerfrikassee.

 

Brevet zum Bungsberg / Norderstedt (06.04.2008)

Der Bungsberg in der Holsteinischen Schweiz ist mit seinen 166 Metern die höchste Erhebung des Bundeslandes. Da gewesen bin ich in den letzten drei Jahren noch nicht und so sah ich den Brevet ab Norderstedt als willkommenen Anlaß, dies jetzt nachzuholen. Veranstaltet wurde der Brevet am 05. April vom Audaxclub-SH und der BSG der Firma Ethicon, deren Betriebsgelände in Norderstedt auch als Start- und Zielort genutzt wurde. Wie schon vor einer Woche in Nortorf war wieder Regen angesagt und es kostete etwas Überwindung, am Sonnabend zeitig wie in der Woche aufzustehen, um dann bei fünf Grad Außentemperatur acht Stunden im Nassen Radzufahren. Beim Veranstalter abzusagen war mir allerdings zu blöde, gab es doch keinen akzeptablen Grund. Lustlosigkeit zählt nicht – also ging es los.

Am Start waren sechsunddreißig Leute, wegen der Nähe zu Hamburg hätte ich mehr erwartet. Wie angesagt regnete es und sah auch nicht so aus, als wenn sich das die nächste Zeit ändern würde. Doch gefehlt – der Regen wurde stärker.

Auf den ersten Kilometern blieb das Feld noch zusammen doch außerhalb von Norderstedt bildeteten sich die ersten Grüppchen vorne waren wir neun und fuhren in Zweierreihe und regelmäßig wechselnder Führungsarbeit recht flott bis nach Wahlstedt, wo die erste Kontrolle in einer Tankstelle (KM 52) stattfand.

Der zweite Streckenabschnitt bis Schönwalde am Bungsberg war bergiger, was ich begrüßte, da dadurch langsamer gefahren wurde. Bis Eutin sind aus der Gruppe zwei ausgestiegen, hier in Eutin, wo an mehreren Ampeln gewartet werden mußte kam ein Liegeradfahrer hinzu. Bergab und auf der Graden war er etwas schneller, in den Steigungen ließ er aber immer nach.

In Schönwalde stempelten wir wieder an einer Tankstelle (KM 110), da die anderen sich auch etwas Zeit ließen bestellte ich einen Kaffee und nahm eine Cola für die Not mit. Dieses mal hatte ich die Regenjacke nicht nur mit sondern auch gleich vor dem Start angezogen. Darunter war noch alles trocken. Außentaschen hat sie leider keine bis eine kleine Tasche auf dem Ärmel, worin ich den Riegelbedarf für eine Etappe verstaut habe. Der Reißverschluß funktionierte wegen dem Sand und den vom Regen steifen Fingern auf der zweiten Hälfte der Tour nicht mehr und weil es wie geschrieben sonst keine Verstaufächer gab hatte ich keine Möglichkeit, während der Fahrt was zu essen.

An der Tankstelle in Schönwalde fuhren wir zu fünft und mit dem Liegeradfahrer los. Ich mußte noch mal kurz halten, weil ich mir nicht sicher war, ob das CamelBak richtig zu war und brauchte dann zwei Kilometer, bis ich wieder an der Gruppe dran war. Das Gelände war wieder flacher und das Tempo hoch wie auf der ersten Etappe. Bei Kilometer 136 haben wir uns an der B207 verfahren, nach ein bis zwei Kilometern wurde dies aber zum Glück bemerkt und wir hatten nur dieses Stück zurückzufahren. Bei Kilometer 150 in Curau holten wir eine andere Gruppe ein, ich hängte mich bei denen rein, weil mir die anderen nun doch zu schnell waren. Bald merkte ich, daß diese Gruppe gar nichts mit dem Brevet zu tun hatte, sie fuhren mit einem anderen Verein nach Hamburg-Hamm. Meine Gruppe einzuholen war es jetzt zu spät, sie waren bereits aus dem Sichtfeld.

Also erstmal angehalten, Cola getrunken und auf dem Kartenmaterial nachgeguckt, wo man denn genau ist und wie es weiter geht. Bei dem Regen die Wegbeschreibung in den Händen halten machte es nicht gerade einfacher, hier muß fürs nächste Mal noch eine Lösung geschaffen werden.

An der B207 am Abzweig Reinsbek kam mir Burkhards Gruppe bestehend aus neun Fahrern entgegen. Knut K., der zu Beginn mit in der ersten Gruppe fuhr sagte, die hätten einen anderen Weg gefunden, um das Stück B206 zu minimieren. Mit dieser Gruppe erreichte ich bald den dritten Kontrollpunkt, das Restaurant »Forsthaus Bolande« in Reinfeld / Holst. (KM 171)

Burkhard fragte die Bedienung, ob es auch Kuchen gäbe und ob wir uns so naß und dreckig setzen dürfen. Sie hatte nichts dagegen und nachdem ich mich auf der Toilette den Umständen entsprechend tafelfein hergestellt hatte stand feinster Erdbeerkuchen mit Schlagsahne und ein Kännchen Kaffee am Platz.

Nach der Pause, die paarundzwanzig Minuten gedauert hatte, kam ich nicht mehr recht in Gang, es regnete zwar nicht mehr, aber alles war naß oder wenigstens klamm. Wir fuhren zu fünft los, zwei Fahrer aus Dänemark und ein dritter Mann wechselten sich vorne ab und Burkhard gab von hinten die Richtungsangaben. Unterwegs holten wir noch Knut K. und Ludger F. ein, die schon vor uns am Restaurant langsam losgefahren waren, sie blieben aber nicht dran.

Nach offiziellen acht Stunden fünfundzwanzig und zweihundertneunzehn Kilometern rollten wir beim Haupteingang von Ethicon bei Sonnenschein fuhr, danach ging es unter die heiße Dusche, wer mochte konnte noch eine Sauna nehmen. In der Turnhalle der Firma standen Kesselgulasch, Schnittchen, Gemüse und Nascherei bereit, um die Tour kulinarisch ausklingen zu lassen. Einige bedauerten jetzt, daß es wieder keine hundert Prozent Regen gab. Hundertsiebzig von zweihundertzwanzig Kilometer im Dauerregen fahren war m. E. aber ausreichend.

Meine Gruppe im Ziel (Foto: Audaxclub S-H)

Meine Gruppe im Ziel (Foto: Audax-Club S-H)

[220,11 / 8:23:28]

Bericht von Burkhard

© 2021 bike ✯ vélo

————Cycling isn't a game, it's a sport. Tough, hard and unpitying, and it requires great sacrifices. One plays football, or tennis, or hockey. One doesn't play at cycling.————