Kategorie: Brevet

Ein Brevet bezeichnet im Amateur-Radsport eine Langstreckenveranstaltung, bei der eine vorgegebene Strecke innerhalb eines bestimmten Zeitraums zu fahren und durch Kontrollstempel nachzuweisen ist. Der Umfang der Organisation ist dabei absichtlich sehr gering. [http://de.wikipedia.org/wiki/Brevet_%28Fahrrad%29]

Brevet zum Priwall / Norderstedt (03.09.2011)

Statistiker behaupten, der Sommer 2011 war zu niederschlagsreich. Noch ist er nicht zu Ende und für dieses Wochenende sind im Norden bis fast dreißig Grad angesagt, kaum zu glauben nach dem gestrigen Abhärten in der Ostsee (16°C Wasser-, 16°C Lufttemperatur). Zufällig findet in Norderstedt ein 200-km-Brevet vom Audaxclub S-H zur Halbinsel Priwall und zurück statt …

Start & Ziel ist wie beim Bungsberg-Brevet im Firmengebäude von ETHICON. Ich bin etwas spät dran, schaffe aber noch alles bis zum ebenfalls etwas verspäteten Start. Circa vierzig TeilnehmerInnen sind dabei und unterteilen sich in die Gruppe derer, die vor zwei Wochen das Langstreckenrennen Paris – Brest – Paris absolviert haben und den Rest.

Der Rest besteht anfangs aus zehn Fahrern inklusive eines P-B-P Finishers. Bereits am Ortsausgang von Norderstedt ist diese meine Gruppe auf acht Fahrer zusammengeschrumpft. Ruhig wie zum Saisonbeginn rollen wir nach Nordosten Richtung Travemünde. Ein Blick auf die Startunterlagen wäre hilfreich gewesen und so krieg ich nach fünfzig Kilometer mit, daß die erste Kontrollstelle erst bei KM 102 in MVP ist. Das wird ein langes Bein! Bei KM 65 gibt es eine Pinkelpause und den ersten Riegel aus dem CamelBak.

Eine verbale Konfrontation ereignet nach nach über neunzig Kilometer in Travemünde. Wir warten an einer Einmündung darauf, nach links abbiegen zu können. Ein Mercedes- SLK-Fahrer möchte von der Vorfahrtsstraße ebenfalls nach links abbiegen, braucht dafür aber Platz wie ein Bus. Vor der Gruppe bleibt er stehen, läßt das Fenster runter. Ich denke nur „Oh, nein, mach das Fenster hoch und fahr weiter – du kannst nur verlieren … !“ Er moniert, „Sie könnten auch anders stehen!“ in sehr gewählter Ausdrucksweise. Von hinten tönt es „Du kannst Dir auch ein anderes Auto kaufen!“ Die Situation eskaliert nicht weiter, er fährt irritiert von dannen.

An der Priwallfähre über die Trave müssen wir halten, um ein Ticket zu ziehen. Es dauert etwas und ich zieh mir derweil den nächsten Riegel rein. Auf der Ostseite ist es nicht mehr weit bis zur Kontrollstelle, einer Tanke in Dassow. Wasser, Cola und zwei Snickers werden gekauft, letztere, weil ich nur drei Riegel und ein Gel mit dabei habe.

Weiter geht es nach Süden Richtung Mölln, meist durch breite Alleenstraßen mit etwas zu viel motorisiertem Verkehr. In Mecklenburg-Vorpommern ist bald Landtagswahl. Dominant sind die Wahlwerbeplakate der Neonazis mit hetzerischen Parolen und dumpfen Fressen an so gut wie jedem Laternenpfahl.

In Mölln – Kontrolle 2 / Shell-Tanke / KM 148 – wird Wasser und Cola nachgekauft. Feste Nahrung ist noch genug vorhanden. Die Bedienung zieht sich etwas und es wäre Zeit für einen Kaffee gewesen …

Fünfzehn Kilometer weiter noch ein Pinkel-Stopp, an der Tanke gab es kein WC. Weiter gehts, die Sonne meint es mehr als gut. Zusätzlich gibt es jetzt Wind von vorne, ca. drei Windstärken. Trotzdem ist alles gut, die Gruppe harmoniert sehr.

Im Hamburger Speckgürtel, die letzten zehn Kilometer bis zum Ziel, wird der Verkehr wieder dick, Konfrontationen á la Travemünde bleiben aber zum Glück aus.

Um 15:25 Uhr erreichen wir die Firma Ethicon. Der Eingangsstempel wird vom Pförtner im Tourpaß vermerkt. Nach dem Duschen gibts was warmes zu Essen, Naschwerk, alkoholfreies Weißbier und Kaffee.

Statistik:

Wetter: Sonne, 12 – 29°C

1 Powerbar Natural Energy Riegel
2 Powerbar Ride Riegel
2 Snickers
2 Liter Wasser
2 Liter Xenofit Blutorange
0,7 Liter Cola

http://www.audaxclub-sh.de

Das Ergebnis – sortiert nach Bruttozeit und Vornamen – gibt es hier. [Datenquelle]

Ostholsteinbrevet / Neumünster (12.03.2011)

Keine sechshundert Trainingskilometer und null Stunden Indoor-Cycling in diesem Jahr sind zwar nicht die besten Voraussetzungen für den ersten 200-km-Brevet im Jahr, aber das Wetter soll schön werden und fünfzig Prozent sind eh Kopfsache.

Die Anmeldung auf dem Parkplatz eines Sportheims bei Neumünster ist wie immer puristisch am Kofferraum des Wagens des Veranstalters. Meistens fährt Knut auch selber mit, heute kann er jedoch nicht.

Vom Start weg halt ich mich sehr bewußt aus der ersten Gruppe von etwa zehn Fahrern raus, aufgrund des Trainingsdefizits ist heute die einzige Devise Ankommen! In der zweiten Gruppe, etwas größer als die erste geht es gemütlich zu. Bei knapp vierzig Kilometer schau ich mich kurz um und muß feststellen, daß außer dem Mann neben mir und zwei in der ersten Reihe niemand mehr da ist. Zwei sind erfahrene Randonneure und mit Navi ausgerüstet – das ist gut, denn ich kenne die Strecke nur grob und ausgeschildert ist bei dieser Art Veranstaltung ja nichts. Der dritte Mann ist etwas jünger und fährt seinen ersten Brevet, als Grundlagenvorbereitung für den Ötztaler RM im August des Jahres. Bei KM sechzig sind einer der Randonneure und der Ötztaler-Kandidat nach hinten weg, wir treffen sie aber bei der ersten Kontrolle in Scharbeutz zehn Kilometer weiter wieder. Hier kaufen die Randonneure Kaffee & Kuchen und verzehren dies die Sonne genießend. Für den Ötztaler-Kandidat ist dieses Verhalten völlig neu, aber auf Brevets geht es eben nicht so hektisch zu, es sei denn, man fährt erste Gruppe. Während die beiden essen ziehe ich mir auch einen Kaffee und besorge im Dorfladen anderthalb Liter Wasser und fülle die Trinkflaschen auf.

Ab Scharbeutz gibt es Schiebewind, in dem hügeligen Gelände verlieren wir erst den einen Randonneur, dann bei neunzig Kilometer den Ötztaler-Kandidat und wenig später fehlt auch der zweite Randonneur. Ich nehm das Tempo raus, um ihn als Navigator wiederzubekommen. Wenig später ist er da und wir fahren bis zur Kontrolle 2 in Höhndorf bei KM 130. Hier möchte der Mann auf einen Kumpel warten, langes Warten ist nicht meine Sache und ich breche auf die letzten siebzig Kilometer alleine auf. Blöderweise steht der Wind jetzt direkt von vorn und der Teil mit der Kopfarbeit beginnt. Mit minimal 22 km / h auf der Uhr und kaputten Beinen stemme ich mich irgendwie vorwärts. Abbrechen geht ja mitten in der Provinz nicht und der Original-Track ist die beste Verbindung zum Ziel. Als es nur noch 35 Kilometer bis zum Ziel sind und die Beine wieder gehen stelle ich einen Navigationsfehler fest, der Randonneur meinte zwar, der Track ist einfach: immer geradeaus aber an einem Geradeaus wäre rechts rum richtig gewesen. Also zurück. Auf der Strecke fahre ich einen anderen Randonneur zu, er meint vor ihm ist nur die erste Gruppe. Zehn Kilometer weiter erreichen wir die dritte Kontrollstelle in Ascheberg (Holstein) bei KM 175, in der Tankstelle kauf ich eine Cola. Draußen kommt in dem Moment ein Teil der zweiten Gruppe von morgens, ich fahre mit denen die letzten 25 Kilometer ins Ziel. Der Wind hat auch etwas nachgelassen. Warum am letzten Ortsschild noch ein Sprint ausgetragen werden muß versteh ich nich ganz, scheint was Vereinsinternes einiger Mitfahrer zu sein.

Im Sportheims gibt’s nach dem Duschen eine Erbsensuppe mit Würstchen, dazu ein frisches alkoholfreies Weißbier. Am Tresen sitzen ein paar Mitglieder des örtlichen Sportvereins rum, trinken und rauchen.

Statistik:

212, 22 | 7:37:20 | 27,99

Wetter: Sonne, 3 – 13°C, Wind 10 km / h aus Südost bis Süd

1 Banane
3 Powerbar Ride Riegel
2 Powerbar Gels
2 Liter Xenofit Blutorange
0,33 Liter Cola
0,2 Liter Kaffee

Das Ergebnis ist sortiert nach Bruttozeit & Vornamen hier zu sehen. Die Datenbasis stammt von der Audaxclub-Seite .

 

 

Fischbrötchen in Husum (04.04.2009)

An Bord der Kanalfähre hatte Onkel Jens eine verbale Auseinandersetzung mit dem freundlichen Deckarbeiter, weil letzterer es nicht ertragen konnte, daß drei Radfahrer auf dem Autofahrerteil standen. In Breiholz am Morgen war das möglich. Der Deckarbeiter von Sehestedt verrichtet seine Arbeit aber immer noch.

Hinter Bovenau wurde es härter, denn Torsten M. von der Dreiergruppe fuhr eigentlich sein Tempo, welches mindestens drei km/h über dem der Gesamtgruppe lag. Dazu wehte der Wind jetzt spürbar von rechts und am Abzweig vor Emkendorf direkt von vorn. Die Nortorfer Streckenplaner ließen nichts aus, was es an Kopfsteinpflaster im Landkreis Rendsburg gab und so auch Emkendorf nicht. Nach dieser Passage befand ich mich mit einem Kieler Fahrer auf einmal hundert Meter hinter der Gruppe. Aber ein Loch dieser Größe nach knapp 180 km und Gegenwind zuzufahren ist nicht weiter schlimm… Nach einem Kilometer waren wir wieder dran, Dank Holger R., der mitbekommen hatte, das zwei fehlen und sich ein Stück zurückfallen ließ.

Am Bokelholmer Bahnübergang mußte nochmals gehalten werden, ich nutzte dies, um die letzte Banane zu essen. Nach Bokelholm ging es mit ordentlichem Seitenwind weiter bis Brammer. Nun kam der Wind wieder von hinten und einige mußten noch mal eine über Vierzig vorgeben. Unglücklicherweise befand ich mich zu dem Zeitpunkt in der zweiten Reihe, der Windschatten war also nicht so üppig.

In Nortorf wollte Torsten M. nochmal allen zeigen, daß er noch Reserven hat, leider gelang das nicht, weil er an einer Ampel warten mußte und dann doch nicht als erster und Einzelfahrer im Ziel ankam.

Unterm Strich eine sehr schöne Tour, auch wenn sie nicht dem Namen gerecht wurde. Aber dranbleiben ist alles. Zitat von Thomas L. nach der Tour: Ein 33er Schnitt Anfang April — das ist pervers!

 

198,89 km | 5:58:52 | AVG 33,25 | MAX 48,42

Wetterinfo: heiter / sonnig | Temp. 4°C – 18°C | Wind 3 – 4 Bft. West-Südwest

Mahlzeit: Nudelsuppe

Grafik © RSG Mittelpunkt Nortorf

Presse-Clipping

Brevet zum Bungsberg / Norderstedt (22.03.2009)

Die 80% Regenanteil auf dem 200er Brevet zum Bungsberg 2008 noch gut in Erinnerung fand ich die Wetterlage dieses Jahr perfekt, es waren zwar nur frische -2°C, aber dafür eine Regenwahrscheinlichkeit von null. Deshalb blieb die Regenjacke gleich im Auto. Nach der Begrüßungungsrede von Heino H. setzte sich der Troß aus über vierzig Teilnehmerinnen und Teilnehmern um acht Uhr in Bewegung.

Aus Norderstedt heraus ging es im sportlichen Tempo von um und bei 40 km/h in Einerreihe! In der Hoffnung, die Situation wird sich beruhigen bin ich das Tempo erstmal mitgefahren, vorne wurde die Gruppe immer dünner und nach zehn Kilometern war hinten niemand mehr. Vorne waren noch sieben oder acht Fahrer. Nach zwanzig Kilometern beschloß ich mit einem Mitfahrer, eine eigene Gruppe aufzumachen, wir ließen noch zwei andere aufschließen und fuhren gemütlich 32 bis 34 km/h weiter. Da leider niemand dabei war, der die Strecke richtig kannte sind wir an einem Abzweig vor Struvenhütten geradeaus gefahren, haben den Fehler aber bereits nach 200 Metern bemerkt. Nach dem Umkehren und wieder auf der richtigen Strecke vor ein Einzelfahrer auf uns auf, der das Roadbook am Lenker hatte und ab jetzt das Tempo „bestimmte“ in dem er den Weg wies.

09:37 kamen wir an der ersten Kontrolle in Wahlstedt (52 km) an. Beim Abfahren erreichte die dritte Gruppe gerade die Aral-Tankstelle. Ich überlegt kurz, auf sie zu warten, fuhr dann aber doch mit den andern vier weiter.

An der zweiten Kontrollstelle, die Star-Tankstelle in Schönwalde am Bungsberg (109km), die wir 11:28 erreichten standen vier Leute aus der ersten Gruppe. Eigentlich habe ich von denen schon einige an der ersten Kontrolle erwartet. Sie fuhren ohne uns los doch nach zehn Kilometern hatten wir drei von ihnen wieder eingeholt und fuhren so zu acht bis nach Norderstedt zurück. Der Rückweg erwies sich als härter als gedacht, da der Wind der Stärke fünf bis sechs nun meistens von vorn oder ungünstig von der Seite kam. Die Gruppendisziplin erinnerte auch eher an eine RTF als an einen Marathon, Windschattenfahren wurde nur schlecht praktiziert und die Abwechslung bei der Führungsarbeit war auch nicht gerade gleich verteilt.

Kontrollpunkt 3 – das Gasthaus „Forsthaus Bolande“ in Reinfeld in Holstein (171 km) – erreichten wir um 13:40. Hier gab es eine Schnell-Cola in der Theke und die Auskunft, daß die Spitzengruppe aus drei Fahrern bestand und kurz vor uns ein Einzelfahrer hier „Rast machte“. Weiter ging es auf die letzten fünfzig Kilometer. Auf den letzten zehn Kilometern hängte sich ein Freizeitfahrer mit Rennrad aber ohne Helm, nur mit Mütze „geschützt“ in unsere Gruppe. Er war etwas überrascht von unserem Brevet und hielt uns erst für RTF-Fahrer.

Im Gegensatz zum Jahr 2008 erreichten wir um 15:35 das Betriebsgelände der Firma Ethicon im Gewerbepark Glashütte in Norderstedt sauber und trocken – dafür aber etwas vom Winde verweht. Unsere Gruppe belegte die Plätze fünf bis zwölf.

Nach dem Duschen setzte man sich noch zum Abklang der Tour in das Sportcasino der Firma. Hier gab es leckeres Kartoffelgratin mit Lachs oder wahlweise Hühnerfrikassee.

 

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————Cycling isn't a game, it's a sport. Tough, hard and unpitying, and it requires great sacrifices. One plays football, or tennis, or hockey. One doesn't play at cycling.————