Monat: Oktober 2011

Einzel- / Team-Zeitfahren Hamburg → Berlin 2011 (15. Okt.)

Das wars (Saison-Abschluß traditionell)

Rückblick HH-B_2010: Mit zwei Männern aus Wesseln fahre ich knapp die Hälfte der Strecke von Hamburg nach Berlin. Es funktioniert gut und wir verabreden uns für 2011. Im August 2011 – zum letzten NordCup-Radmarathon in Kaltenkirchen – machen die Aktion klar und melden ein Fünfer-Team (Die Velofriesen) an. Kurz vor dem Start fällt leider ein Mitfahrer krankheitsbedingt aus. Mit den anderen verabrede ich mich zum Treffen am Startort.

Die Wetterprognose gibt das beste her, das man Mitte Oktober in Norddeutschland erwarten kann: Trockenheit, Sonnenschein und Temperatur zwischen Frost und 12°C.

Meine Anreise erfolgt wieder mit dem Auto bis zum P & R Parkhaus am S-Bahnhof HH-Bergedorf, schnell satteln und elf Kilometer mit zwei Rucksäcken (Wechselklamotten für Berlin und CamelBak fürs Rennen) zum Start. Je näher ich zur Elbe komme desto dichter wird der Nebel und desto tiefer fällt die (gefühlte) Temperatur. Ein paar zeitige Starter kommen mir auf dem letzten Kilometer bis zum Fährhaus Altengamme schon entgegen. Bevor es zum Frühstück geht wird erst die Startformalität abgewickelt, Startnummer holen – »… ist schon von Deinem Team abgeholt wurden!« – also Team suchen. Per Telefon kann ich sie lokalisieren, sie haben die Nacht in einem VW Camper verbracht und kratzen gerade den Reif von ihren Fahrrädern. »Viel wärmer als Außentemperatur kann es in dem Bus auch nicht gewesen sein«, denk ich beim Anblick der fröstelnden Gestalten. Den großen Rucksack laß ich bei Knut im Transporter nach Berlin und hol mir mein Frühstück ab, noch ca. 25 Min. bis zum Start um 07:21 Uhr. Aufgrund der hohen Zahl von Teilnehmern und der Enge im Gasthaus kann man auch draußen frühstücken. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt wird der Kaffee in der Tasse schneller trinkbar, nur die Butter ist nicht ganz so streichfähig, wie gewöhnt. Zwei Brötchen, zwei Kaffee und ab zur Startaufstellung.

Die Velofriesen auf der Geesthachter Brücke (Foto: Audax-Club SH)

Die Velofriesen auf der Geesthachter Brücke (Foto: Audax-Club SH)

Trotz des Nebels an der Elbe ist die Straße fast überall trocken und weil es noch keinen Bodenfrost gibt ist es außer auf der Brücke über die Elbe fast nirgends glatt. In den dichteren Nebelfeldern schlägt sich jener als Reif nieder, die Kälte kriecht durch die Handschuhe und als die Sonne flach über dem Horizont aufsteigt und die Sicht nimmt muß erst mal das Eis von der zuvor an den Helm gesteckten Sonnenbrille entfernt werden. Immer wieder überholen wir kleine Gruppen und Einzelfahrer, die zeitig gestartet sind.

In Neu Darchau (KM 50) fährt uns eine Gruppe auf, großgewachsene Kerle mit Oberschenkeln dick wie die Säulen des Brandenburger Tors. Sofort ist das Tempo statt bei unseren gemütlichen 30 bis 34 km / h bei 35 bis 38. Im dichten Nebel kann ich die hügelige, kurvenreiche Strecke nur erahnen und sehne mich nach den richtigen Elbbergen, der »Wand von Hitzacker« (auch: Die Klötzie mit der Erhebung Kniepenberg).

Bergfahren im Drawehn (Foto: HFS)

Bergfahren im Drawehn (Foto: HFS)

Am Fuße der Erhebung ist das Tempo noch unverändert, die schweren Jungs kennen offenbar das Gelände nicht und versuchen es mit Gewalt, den Hügel zu nehmen. Neben mir das Schnaufen einer Dampflok, dann Krachen als kurz vor dem Verrecken aufs kleine Kettenblatt runter geschalten wird. Mein Team hängt weiter hinten drin und pfeift mich zurück, das Tempo rauszunehmen. Trotzdem ist die Bergwertung meine. Die 13%-Abfahrt wird genutzt, um den Schwung mit in die nächste Steigung zu nehmen, teilweise vergebens.

Zwischen Hitzacker und Dannenberg / Elbe

Zwischen Hitzacker und Dannenberg / Elbe

An die Hügel schließt sich Hitzacker an und es wird wieder flach, bis Dannenberg bleibt das Tempo moderat, erst auf der B191 bis zur Dömitzer Brücke wird wieder gedrückt, sicherlich angeheizt durch sinnloses Gehupe und Engüberholen der motorisierten Verkehrsteilnehmer. Kleingruppen nutzen hier den Radweg.

Anfahrt zur Dömitzer Brücke (B191)

Anfahrt zur Dömitzer Brücke (B191)

Den Kontrollpunkt Dömitz (KM 94)erreichen wir 10:19 mit einem Fahrschnitt von 32,20 km / h. Das zweite Frühstück ist ebenso großzügig ausgelegt, wie in Altengamme. Ich verdrücke einen Becher Milchreis mit Kirschen, drei Brote, eine halbe Banane und zwei Becher Kaffee.

Zweites Frühstück in Dömitz (Foto: Audax-Club SH)

Zweites Frühstück in Dömitz (Foto: Audax-Club SH)

Wir fahren weiter, haben einen Gastfahrer aus Dortmund ohne Ortskenntnisse und elektrischer Navigationshilfe mit dabei. In einem Waldstück überholen wir einen Krankentransporter mit Blaulicht, es hat einen Unfall bei den HH-B-Fahrern gegeben. Details sind noch nicht bekannt.

Bald holt uns die im flachen schnelle Gruppe wieder ein und wir rasen 25 km mit ihnen. Um unser Team nicht zu zerstören müssen wir abreißen lassen. Ein zweiter Gast ist auch dabei, traut sich aber östlich Wittenberge nicht in den Schotterweg auf dem Elbdeich. Ich kenn die Abkürzung noch aus 2007. In Bälow (KM 153)braucht das Team eine Pause, wir fragen nach einem Bäcker – vergebens. Zehn bis fünfzehn Minuten vergehen. Weitere fünfzehn kurz darauf bei einer Reifenpanne bei unserem Dortmunder Gast. Wir sind fair und warten, bis er sein Material wieder einsatzbereit hat – Niko ziefert den zerrinnenden Bruttofahrschnitt. Die Elblandschaft ist hier besonders beschaulich, im Team mausert man wegen der schlechten Wegstrecke und dem Gegenwind auf dem Deich.

Auf dem Deich zwischen Havel (links) und Elbe

Auf dem Deich zwischen Havel (links) und Elbe

In der Hansestadt Havelberg (KM 185) haben wir unseren GPS-Track wieder und man mahnt, keine Abweichung mehr zu fahren. Der Wind nimmt zumindest gefühlt zu und weht wie angesagt von vorne. Über märkisches Kopfsteinpflaster und durch die »Allee des Grauen« steuern wir Rhinow (KM 202, Fahrschnitt noch 31 km / h) zu. Hier wird traditionell im Dorfladen direkt an der Strecke Verpflegung für den Rest des Rennens eingekauft. Unzählige leere Wasser, Schorle und Cola-Flaschen vor dem Laden deuten darauf hin, daß wir nicht die ersten sind. Ich besorge mir zwei Dosen Cola, eine Flasche Erdinger alkoholfrei und eine Packung Kaminwurz’n. Die erste Cola ist alle, bevor ich mit dem Bezahlen dran bin, die zweite kommt in die Flasche für unterwegs. Das Weizen ist schnell alle, dazu zwei Kaminwurze. Salz – Zucker – Vitamine – Elektrolyte … alles wieder aufgefüllt.

Bis Nauen müssen wir noch zweimal kurz halten, weil es Probleme mit Krämpfen im Team gibt. Direkt vor Nauen (KM 250) ist eine längere Pause in einer Schutzhütte gewünscht. Durch das mehrfache stoppen holt uns immer wieder ein St.-Pauli-Einzelfahrer ein, der langsamer unterwegs ist.

Zwischen Nauen und Falkensee bricht die aktuelle Geschwindigkeit auf 26 bis 28 zusammen. Uns holt ein Zweier-Team bzw. zwei sich gefundene Einzelfahrer ein, lutscht kurz im Windschatten und zieht von dannen. Irgendwie können wir das Team mobilisieren und holen die beiden wieder ein. Mit 35 auf der Uhr und Abwechslung  an der Spitze hängen wir sie bis Berlin final ab. Auf den letzten 15 km im Berliner Stadtgebiet wittern alle Zielluft und die Straßenverkehrsregeln werden sehr libertär gehandhabt.

Die Velofriesen im Ziel, Wassersportheim Berlin-Gatow (Foto: Audax-Club SH)

Die Velofriesen im Ziel, Wassersportheim Berlin-Gatow (Foto: Audax-Club SH)

Im Ziel (Alt Gatow, KM 281) werden wir freudig empfangen, ein Zielfoto durch Burkhard, zurückmelden bei der Rennleitung und duschen – in anderthalb Stunden geht der EuroCity vom sechs Kilometer entfernten Bahnhof Berlin-Spandau. Bis zum Bahnhof fahren wir mit dem Rad, der Radweg dahin ist das schlechteste Stück Wegstrecke des ganzen Tages, schlimmer als der Schotter in der Altmark.

Auf dem Bahnhof hol ich die Fahrkarte nach HH-Bergedorf und was zum Essen & Kaffee beim Bäcker. Oben am Gleis stehen kurz vor Abfahrt mehr Fahrradfahrer rum, als der Zug jemals aufnehmen kann. Angeblich wurde wegen der vielen Anfragen nach Fahrradstellsplätzen ein extra Gepäckwagen bestellt, der aber leider doch nicht dabei ist, als der Zug aus Villach in ÖR einfährt. Der ungewöhnlich freundliche Zugchef läßt uns in der 1. Klasse einsteigen – kaum zu glauben. Wahrscheinlich ist er selber Radfahrer. Im Abteil wird ein Paulaner alkoholfrei aufgemacht, zur Feier des Tages. Schläfrigkeit macht sich breit.

In HH-Bergedorf Verabschiedung vom Team, noch ein Kaffee, Auto suchen und Rückfahrt zum Wohnort. Was für ein schöner Tag!

Audax-Club Schlesw.-Holst. v. 2000

Fakten

Fahrdaten 281,41 km 9:12:00 h 30,58 km / h (brutto)
Start / HH-Altengamme KM 0 07:21
Kontrolle / Dömitz KM 94 10:19
Ziel / Berlin-Spandau KM 281 17:57

Aus der Sicht der Anderen (Berichte)

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Harzreise III

In diesem Jahr fällt der 3.  Oktober für ArbeitnehmerInnen günstig auf einen Montag. Prognostiziertes warmes trockenes Wetter an dem langen Wochenende tun sein Übriges für einen spontanen Kurztrip mit Gelände-Rad-Aktivitäten im Harz.

Außerdem war da noch ein Versprechen von den Herbst-Wetterbedingungen beim Alpencross im Juli (»Wenn ich das hier überstehe sitze ich am 3.  Oktober im Biergarten auf dem Brocken – in kurz – bei jedem Wetter!«) . Mit der Idee bin ich nicht allein, die Harzregion ist nahezu ausgebucht, was Herbergen jedweder Preisklassen angeht. Es wird schon laut über die Variante Boofen nachgedacht, Schutzhütten gibt es ja zuhauf und Frost soll es nicht geben. Am Freitag-Mittag gelingt es mir doch noch, ein Hotelzimmer zu bekommen, in Bad Lauterberg im Harz.

 Tag 1 – Brocken-Schnellrunde

Die Anreise per Auto über A7 und B243 / B27 dauert obwohl ohne Stau vor dem Elbtunnel eine Stunde länger als geplant (Widererwarten reisen die anderen Kurzurlauber auch am Samstag.).

Der Check-in in dem Kurhotel geht schnell, 15:00 Uhr bin ich auf dem Rad und rechne noch mit fünf Stunden Tagslicht. Trotzdem ist Lichttechnik mit dabei, es ist Herbst, auch wenn es sich anfühlt, wie Sommer. Ziel ist das Erreichen des Brockengipfels vor Sonnenuntergang. Auf Straßen sind es bis Schierke am Brocken vom Hotel aus über zwanzig Kilometer, dazukommen die zehn Kilometer Brockenstraße. Offroad ist es etwas kürzer. Ich rechne mit Zeit zur Orientierung mit zwei bis drei Stunden. Das Ziel erscheint realistisch. Los geht’s durch den Ort hinauf zur Odertalsperre, die Straße führt linksherum, der Wanderweg rechtsherum über die Staumauer. Im Schatten ist der Boden feucht, ansonsten überall staubtrocken mit ein wenig herabgefallenem Laub bedeckt.

Odertalsperre, Blick von der Staumauer

Odertalsperre, Blick von der Staumauer

Eine Gruppe Mountainbiker kommt entgegen, sonst ist man allein im Wald, ganz anders als bei meinen sonstigen Harzreisen im Mai.

Südlich Braunlage wird die aus Bad Lauterberg kommende B27 überquert, parallel zur Höhenlinie geht es in nordwestlicher Richtung zum Braunlager Ortsteil Königskrug, wo die B4 gekreuzt wird. Nächster Orientierungspunkt ist der Dreieckige Pfahl. Ab hier geht es steil bergan über ein Stück des alten Kolonnenweges der ehemaligen innerdeutschen Grenze bis zum Betriebsbahnhof Goetheweg der Brockenbahn. Es ist schon relativ spät und so kann der 1991 eröffnete Neue Goetheweg Richtung Brockenplateau mit dem Bike passiert werden. Normalerweise ist es aufgrund der hohen Fußgängerfrequentierung mühsam, hier langzukommen.

Ein Trekkingradfahrer und ein Rennradfahrer quälen sich wenig später auf dem Brockenstraße zum Gipfel. Kurz vor 18:00 Uhr, wie geplant vor Sonnenuntergang, bin ich oben, nach und nach treffen die beiden Radfahrer und Wanderer ein, die dem Anschein nach die Nacht hier verbringen wollen. Das Thermometer am Brockenhaus zeigt noch 15°C, für einen Abend im Oktober an einem Ort mit alpinen klimatischen Bedingungen ungewöhnlich viel! Im Biergarten des Brockenwirts am Bahnhof Brocken sitzen noch Wanderer beim letzten Bier, der Ausschank ist aber pünktlich 18:00 Uhr geschlossen – also Abfahrt ohne Weißbier.

Auf dem Brocken-Plateau

Auf dem Brocken-Plateau

Der Rückweg führt mich wieder über den Goetheweg. Zwei Jungs mit Trekkingrädern ohne Helm ist meine Abfahrt zu langsam und sie schnicken vorbei. Mit etwas Abstand fahr ich hinterher und freu mich, mich nicht um das Freimachen des Weges kümmern zu müssen. Am oberen Ende des Kolonnenweges (Bf. Goetheweg) bleiben sie stehen und ich zieh vorbei.

Ab dem Dreieckigen Pfahl fahr ich über Oderbrück nach Oderteich (B4 und B242); vor der Talsperre Oderteich in den Waldweg entlang der Oder flußabwärts bis Oderhaus (Ortsteil von Sankt Andreasberg). Es ist mittlerweile finster und Zeit für die Lichttechnik am Rad. Das letzte Stück rollt es sich gut auf der B27 bis Bad Lauterberg. Vor der Rückkehr ins Hotel eß ich zu Abend im Jägerstuben mit gutbürgerlicher deutscher und Harzer Küche. Ein paar Leute sitzen noch im Biergarten, ansonsten ist hier wie in der ganzen Stadt nichts mehr los.

Track bei bikemap.net

[73,66 km | 3:32:56 h | 20,75 km/h | ca. 1.700 Hm]

Tag 2 – Brocken über Westharz

Ausgangspunkt der Tour ist wieder Bad Lauterberg. Am ehemaligen Bahnhof Bad Lauterberg der stillgelegten Odertalbahn ist der Einstieg ins Gebirge. Man fährt die Lutterstraße hinauf zum Ortsteil Kupferhütte und von da weiter bergan, immer den Schildern der Bike-Route folgend über den Acker nach Sieber. Wer schon gleich zu Beginn des Tages auf Klettern steht kann den Exkurs über den Großen Knollen (687 m) machen (entsprechender Beschilderung folgen).

Sieber ist ein kleines Straßendorf am namensgebenden Fluß, trotz der wenigen Nebenwege ist der Einstieg in den nächsten Höhenrücken nach Norden nicht einfach zu finden, da an der Hauptstraße keine Beschilderung vorhanden ist. Hat man den Weg erst einmal gefunden ist die Orientierung eindeutig, das nächste Etappenziel ist Altenau über die Magdeburger Hütte. Der Weg zur Hütte verläuft über die wellige Harzhochfläche relativ eben. Rechts und links ist eine Hochmoorfläche. Ein beachtlicher Anteil des Fichtenhochwaldes ist hier abgestorben und viel totes Holz steht bzw. liegt herum. Die Magdeburger Hütte ist eine hölzerne Schutzhütte mit zehneckiger Grundfläche. Sie wurde erst im Sommer 2011 neu aufgesetzt, nach dem die Vorgängerin baufällig geworden ist. Ich mach hier kurz eine Pause, genieße den Ausblick nach Südwesten und orientiere mich neu. Man kann die B242 hinab nach Altenaurollen, es gibt aber ca. 200 m abwärts der Hütte den Einstieg in den Roseweg, der wesentlich ruhiger ist.

Magdeburger Hütte bei Altenau

Magdeburger Hütte bei Altenau

Altenau wird von der Oker durchflossen, die nördlich des Ortes zur Okertalsperre aufgestaut wird. Am Einfluß der Oker in den Stausee führt der Weg nach Osten – anfangs etwas trailig – doch nach einem Kilometer über eine breite Piste zehn Kilometer bis Torfhaus das Kellwassertal hinauf. Am Ende wird der Weg immer steiler und es gibt wegen der Verblockung sogar eine kurze Schiebe-Passage. Auch hier gibt es eine flachere Umfahrmöglichkeit, doch dieses Mal will ich die Steigung.

Torfhaus ist wie immer bei schönem Wetter von hunderten Motorradfahrern und anderen Ausflüglern besucht. Ich mach eine Mittagspause in der Bavaria Alm direkt neben dem Nationalpark Infozentrum. Es gibt, wie der Name vermuten läßt, einen »… Querschnitt durch die alpenländische, gutbürgerliche Küche« (Zitat Alm Speisekarte). Ein Apfelstrudel, ein alkoholfreies Weizenbier und einen Pott Kaffee später fahr ich auf bekannten Wegen zur Eckertalsperre. An einer klassischen Fluß-Furt mitten im Wald hastet ein gar nicht nach Wandersleuten aussehendes Pärchen panisch beiseite, weil sie mit eine unfreiwilligen Dusche rechnen, die jedoch ausbleibt, weil die Wasserverdrängung des Bikes nicht so groß ausfällt, wie sie es einschätzen. Oberhalb der Eckertalsperre kann ich die Trinkflasche an einem Brunnen mit frischem Harzwasser füllen. Dann über die Staumauer, obligatorisches Foto und zum Scharfenstein und von da den Hirtenstieg hinauf auf den Brocken. Die Länge des fieses Kolonnenweges beträgt 3,8 km, klingt nicht weltbewegend, nimmt aber in Anbetracht der Steigung ca. vierzig Minuten in Anspruch. Sonst bin ich den von Ilsenburg kommenden Weg gefahren und man steigt nur2,8 km. Dieses Mal, wieder ohne Pause durchgefahren, brennen die Oberschenkel auf dem Brocken-Plateau und nach der Verpflegung mit Spaghetti & Tomatensoße (nach altüberliefertem DDR-Großküchen-Rezept) krampft es beim Aufstehen vom Tisch sogar. Sturzfrei schaff ich es die Treppe hinab zur Toilette und ohne Hilfe wieder hinauf.

Hirtenstieg zum Brocken

Hirtenstieg zum Brocken

Die Abfahrt geht über die Brockenstraße nach Schierke. Gleich am ersten Bahnübergang von oben beginnt die neue Asphaltdecke der Straße. Man hat beim Ausbau im Vergleich zum Mai einiges geschafft. Jetzt kann man auch wieder mit dem Rennrad auf den Brocken, ohne sein Material zu derbe zu belasten.

Von Schierke weiter hinab durch das Elendstal nach Elend, dann den Wanderweg nach Braunlage. Zuletzt ist dieser straßenbegleitend und eine reine Zweckverbindung. In Braunlage wieder wieder Orientierung, irgendwie möglichst gradlinig zur Odertalsperre. Am besten paßt der Wanderweg 30D, genau mittig zwischen den beiden Straßen, die Braunlage in südliche Richtung verlassen. Kurz vor dem markanten Punkt Schutzhütte Am Schweinepfahl kracht es links im Unterholz und eine Herde Hische – drei weibliche Tiere und ein Bulle hinterdrein– bricht zwanzig Meter vor mir aus dem Halbdunkel und überquert den Weg. So schnell, wie sie gekommen sind, sind sie meinem Blick auch wieder entschwunden. Zeit nun, den Scheinwerfer am Lenker aufzupflanzen.

Kurz nach Sonnenuntergang an der Odertalsperre

Kurz nach Sonnenuntergang an der Odertalsperre

Bis zur Odertalsperre ist es nicht mehr weit, die Dunkelheit ist vollends eingebrochen und ohne Licht säß ich ziemlich im dunkeln. Am Zeltplatz am Bootshafen wuseln noch ein paar Leute rum, ansonsten ist niemand mehr unterwegs.

Angekommen in Bad Lauterberg eß ich beim Italiener, gleich in der Nähe des Hotels. Bei dem milden Wetter natürlich wieder im Biergarten, man hält es auch nach 20:00 Uhr noch aus.

Track bei bikemap.net

[119,12 km | 6:41:44 h | 17,79 km/h]

Tag 3 – Torfhaus → Wernigerode → Brocken → Torfhaus

Brockengipfel (1.142 m)

Brockengipfel (1.142 m)

Am dritten Tag wird vor der Tour erst mal ein Ausgangspunkt gesucht, um am Abend direkt zurück nach N-Deutschland zu fahren. Sinnig ist der Parkplatz in Torfhaus direkt an der B4. Der Parkplatz ist schon voll, es findet sich aber noch ein Stellplatz am Straßenrand.

 Von Torfhaus geht es mit dem Rad über den Goetheweg Richtung Schierke. Bis Dreieckiger Pfahl ist viel los und um den Fußgängerverkehr nicht zu provozieren teilweise schieben angesagt. Da alles Richtung Brockengipfel marschiert ist die Abfahrt über den Sandbrink verhältnismäßig menschenleer. Ebenso das Elendstal von Schierke nach Elend.

 Erster Stopp ist an der Zillierbachtalsperre zwischen Drei Annen Hohne und Wernigerode. Der Wasserpegel des Kunstsees ist auffällig niedrig und gibt viel steinigen Strand frei.

Zellierbachtalsperre

Zellierbachtalsperre

 Gegen 14:00 Uhr erreiche ich Wernigerode und suche hier ein Restaurant mit Möglichkeit zum Draußensitzen. Bei 24°C und Sonnenschein ist alles gut besucht. Platz finde ich bei einem Italiener am Markt. Eine Pizza, alkoholfreies Weizenbier und Kaffee, dann geht’s weiter über den Harzer Hexenstieg nach Ilsenburg.

Wernigerode, Marktplatz

Wernigerode, Marktplatz

Von hier den Klassiker zum Brockengipfel über Ilsetal und Hirtenstieg. Auf halber Strecke halte ich noch mal an Stempels Buche: Trinkflasche auffüllen und eine Banane. Die Oberschenkel brennen auf den letzten Höhernmetern und oben gönnt man sich eine Suppe und noch ein Weißbier im Biergarten. Ein letztes Mal die Aussicht genießen, einmal auf dem 2,5 km langen Gipfel-Rundweg das Plateau umfahren und dann der Rückweg nach Torfhaus eingeschlagen.

Brocken-Massiv Südseite: Kolonnenweg an der ehemaligen innerdeutschen Grenze

Brocken-Massiv Südseite: Kolonnenweg an der ehemaligen innerdeutschen Grenze

Track bei bikemap.net

[70,68 km | 4:21:29 h | 16,21 km/h | ca. 1.600 Hm]


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